Tunnel in die Römerzeit
U-Bahn-Archäologie im Kölner Untergrund
Über 2000 Jahre Stadtgeschichte hat die Metropole am Rhein aufzuweisen. Von der Antike bis in die Neuzeit zeugen Bauwerke wie Grabungsfunde von der belebten Kultur Kölns. Tief verborgen im Untergrund kommen so manche Relikte erst bei großen Bauprojekten ans Licht. So ist es eine Chance für die Archäologie, wenn nun ein gigantisches U-Bahn-Projekt unter Kölns Altstadt wichtige Notgrabungen zulässt. Seit Anfang 2004 wird im Bereich der Kölner Altstadt gebaggert und gebuddelt. Grund ist der Bau der Nord-Süd-Stadtbahn, eine neue U-Bahn-Strecke vom Hauptbahnhof bis zum Chlodwigplatz in der Südstadt. In fünf Jahren soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Bis dahin gibt es für die Archäologen viel zu tun.
Das größte Ausgrabungsfeld Europas
Für die Kölner Altertumsforscher und Bodendenkmalpfleger grenzen die Grabungen rund um den Bau der Nord-Süd-Stadtbahn an eine Jahrhundertaufgabe. Rund vier Kilometer lang wird die Strecke der ersten Baustufe sein. Nicht nur die gesamte Trasse, sondern auch alle zugehörigen Baustellenflächen sind als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Köln eingetragen. Den Archäologen bleibt nicht viel Zeit zur detaillierten wissenschaftlichen Erfassung aller Eingriffsflächen, die immerhin fast so groß sind wie drei Fußballfelder. Untersucht werden die Bereiche der römischen bis frühneuzeitlichen Stadtbesiedlung. Die entstehenden Tunnelröhren verlaufen weitgehend parallel in einer Tiefe von bis zu 30 Metern. So sind keine archäologischen Schichten von der eigentlichen Tunnelbohrung betroffen. Jedoch durchschneiden die Eingänge zu den neuen Stationen in der Vertikalen sämtliche Bebauungsschichten Kölns. Daher wird überall dort gegraben, wo später die unterirdischen Haltestellen sowie Versorgungs- und Anfahrschächte entstehen.
Insgesamt gibt es sieben Grabungsareale. Vor allem am Kurt-Hackenberg-Platz in der Nähe des Domes erwarten die Forscher wichtige Funde.
Römischer Hafen
Der Kurt-Hackenberg-Platz entstand als freie Fläche nach dem Zweiten Weltkrieg. Er grenzt heute an die Domplatte und ans Museum Ludwig. Interessant für die Forscher ist, dass der Platz über einer durchschnittlich 60 Meter breiten ehemaligen Nebenrinne des Rheins liegt, die etwa 200 Meter weiter im Norden den Hauptstrom erreichte. Dieser Seitenarm war im antiken Köln durch eine mehr als einen Kilometer lange Insel getrennt. Das stellenweise 180 Meter breite Eiland ragte bei normalem Wasserstand nur wenig aus dem Strom und war somit regelmäßig überschwemmt. Im Jahr 50 n. Chr. wurde Köln durch Kaiser Claudius zur römischen "Colonia Claudia Ara Agrippinensium" erhoben. Bereits zu dieser Zeit war ein Teil der Nebenrinne in der Höhe der heutigen Altstadt der städtische Hafen. Doch nicht einmal hundert Jahre später musste das Hafenbecken aufgegeben werden. Zu dieser Zeit trocknete aufgrund extremer klimatischer Veränderungen der Rhein-Seitenarm binnen kürzester Zeit aus. In der Folgezeit wurden Bauschutt und Erde in den einstigen Hafenbereich gekippt, um das Gelände systematisch zu erhöhen und damit vor Überschwemmungen zu schützen.
Folgenschwere Dürreperiode
An der Mega-Grabung sind unter der Aufsicht von Prof. Hansgerd Hellenkemper, dem Direktor des Römisch-Germanischen Museums in Köln, mehr als hundert Experten beteiligt. Sie erhoffen sich durch die enge Verzahnung verschiedener Fachbereiche neue Erkenntnisse vor allem über das antike Köln. So forschen neben Archäologen auch Geologen, Botaniker, Zoologen und Klimaforscher an den verschiedenen Baustellen. Sie wollen unter anderem herausfinden, was zur Dürre um 150 n. Chr. geführt hat, aber auch ab wann die alte, versumpfte Rheinrinne tatsächlich überbaut wurde und es damit zu einer umfangreichen Stadterweiterung kam.
Köln hat im Gegensatz zu anderen europäischen Städten den Niedergang des Imperium Romanum gut verkraftet, nicht zuletzt wegen der zentralen Lage am damals bedeutendsten Schifffahrtsweg Mitteleuropas. Dennoch ließ sich bisher archäologisch nicht nachweisen, ob der ehemalige Seitenarm des Rheins schon im frühen Mittelalter, also von der Zeit der merowingischen bis zur karolingischen Herrschaft, dauerhaft besiedelt und bebaut war.
Überraschung in der Unterwelt
Die Archäologen werden tatsächlich fündig. Dort, wo bisher von unbebautem Sumpfgebiet ausgegangen wurde, ergraben sie eine eingestürzte Lehmwand mit den dazugehörigen Scherben einer Wandbemalung. Darüber hinaus entdecken sie Keramikreste aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. Der Fundkomplex lässt demnach darauf schließen, dass die Forscher auf ein spätrömisches Stadthaus gestoßen sind.
Prof. Hellenkemper sieht in dem Fund erste Beweise einer spätrömischen Stadterweiterung und damit einer ganz ungewöhnlichen Entwicklung Kölns. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts befand sich das Römische Reich in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Den Germanen gelang es, die Stadt unter Druck zu setzen. Doch Köln soll sich gehalten und sich sogar noch vergrößert haben. Dazu wurde die alte Nebenrinne des Rheins landfest gemacht und überbaut. Endgültig bewiesen ist die Annahme der Kölner Archäologen, dass die Hafenrinne bereits in der Spätantike landfest und überbaut wurde, allerdings noch nicht. Römische Inschriften und Lastminute Malediven.Das wird vermutlich erst nach Abschluss der Grabungen, wenn alle Funde ausgewertet sind, möglich sein. Mit Römische Inschriften zu Kitesurfen und Kitereisen .Interessiert InschriftenTauchreisen
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