Inschriften
Die Datenbank unterscheidet sich von ihrem Vorgänger, den „Steininschriften“, in mehrerlei Hinsicht. Erstens ist sie nicht, wie ein Buch, abgeschlossen, sondern kann und wird durch Neufunde laufend ergänzt. Auch neue Lesungen, Literaturnachträge und Verbesserungen zweifellos noch genügend vorhandener Druck- und anderer Fehler können so problemlos integriert werden.
Zweitens ist der Begriff „Inschriften“ hier breiter gefasst, wie übrigens bereits in dem Vorbild aller modernen Inschriftensammlungen, dem von Theodor Mommsen in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. herausgegebenen Corpus Inscriptionum Latinarum. „Steininschriften“ war – wie der Name sagt – eine Sammlung der auf Stein eingemeisselten Zeugnisse römischer Zeit aus Köln. Nun betraf diese Art der Publikation nur wenige Arten von Inschriften: Grabsteine, dann Inschriften von und für Weihungen an Götter, die in den Tempeln aufgestellt wurden, schließlich Bauinschriften und Ehreninschriften an Statuen, die auf Markt- und anderen öffentlichen Plätzen aufgestellt waren. Anspruchsvoller war nur noch eine Inschrift aus gegossenen Bronzelettern, wie sie häufig für Kaiser errichtet wurden.
Alle diese Texte waren sozusagen für die Ewigkeit bestimmt. Daneben gab es aber viele andere Aufschriften, die diesen Anspruch nicht erhoben: Briefe auf dünnen Holzplättchen oder auf Papyrus, Dokumente auf Wachstafeln oder kleinen Bronzeplättchen, Warenetiketten, die auf Verpackungen aus Ton (Amphoren oder Krügen) mit dem Pinsel aufgetragen wurden (sog. tituli picti). Während die Texte der Steininschriften weitgehend formalisiert sind (wie heute noch die von Grabsteinen), war dies bei Briefen natürlich nicht der Fall. Einige Fragmente solcher Texte haben sich in den Siebziger Jahren des letzten Jhdts. bei Ausschachtungen für einen großen Abwasserkanal am Kurt-Hackenberg-Platz zwischen RGM und Rhein gefunden, leider in beklagenswertem Zustand; viele Tausende von Holzresten, die 2006 an fast derselben Stelle gefunden wurden, sind leider – bislang – ohne Texte: Es handelt sich vielleicht um den Abfall einer Werkstätte, die für die nahe Statthalterresidenz unter dem Rathaus die in der Verwaltung viel gebrauchten Wachstäfelchen herstellte.
Haben sich Papyri in unseren Breiten überhaupt nicht und Dokumente auf Holz nur unter günstigen Umständen erhalten, zeichnet sich gebrannter Ton durch ungewöhnliche Resistenz aus. Auch die Tinte, mit der mittels Pinseln auf die Amphoren Daten über Inhalt, Händler und Gewicht der Ware aufgeschrieben wurden, hält sich meist recht gut (wenn man sie nicht bei der Reinigung des frisch gefundenen Gefäßes abwischt). Zusammen mit den Holzresten wurden am Kurt-Hackenberg-Platz, dem frühen Hafen von Köln, Dutzende von beschriebenen Amphorenresten gefunden, weitaus mehr als man bisher aus Köln kannte, die über den römischen Rheinhandel interessante neue Einzelheiten mitteilen.
Nicht, oder vorläufig nicht, ist beabsichtigt, die sozusagen seriellen Inschriften aufzunehmen, die in den noch feuchten Ton gedrückten Stempel, mit denen Tonobjekte wie Ziegel, Tischkeramik, Souvenirs oder auch die genannten Amphoren von den Arbeitern in den Manufakturen gekennzeichnet wurden. Nicht, oder vorläufig nicht, ist beabsichtigt, die sozusagen seriellen Inschriften aufzunehmen, die in den noch feuchten Ton gedrückten Stempel, mit denen Tonobjekte wie Ziegel, Tischkeramik, Souvenirs oder auch die genannten Amphoren von den Arbeitern in den Manufakturen gekennzeichnet wurden.


